Herbstsynode 2025

Die Gesamtsynode tagt in der Johannes a Lasco Bibliothek (Foto: Ulf Preuß)

Am Donnerstag, 20., und Freitag, 21. November 2025, hat die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche in der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden getagt.


Livestream

Die Tagung wurde per Livestream übertragen. Die aufgezeichneten Livestreams sind bei YouTube zu sehen.


Berichte vom 1. Synodentag - 20. November 2025

Präses Harm Adam

Nach einem Abendmahlsgottesdienst in der Schweizer Kirche hat Präses Harm Adam die Tagung der Gesamtsynode in der Johannes a Lasco Bibliothek eröffnet.


Bericht des Moderamens
Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden

Gesellschaft droht moralische Vergiftung

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hat vor der Gesamtsynode vor einer „moralischen Vergiftung“ der Gesellschaft“ gewarnt. Im Bericht des Moderamens sagte sie, dass Grundwerte unserer Gesellschaft gezielt entkräftet würden und damit die Demokratie gefährdet sei. Bei der Wieden sieht dabei auch eine gezielte Zersetzung von christlichen Werten wie Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit und Menschenwürde.

Beispiele für diese Vergiftung sieht Bei der Wieden in wachsendem Antisemitismus, Islamophobie und zunehmend auch in Kirchenfeindlichkeit. Mit Sorge betrachte sie, dass die Haltungen inzwischen auch in der in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein.

Die Kirchenpräsidentin sprach in ihrem Bericht von „herausfordernden Zeiten“ angesichts globaler Konflikte, wachsender Aufrüstung und einer erneut aufflammenden Debatte um die Wehrpflicht. Die Aggression Russlands habe in Europa neue Unsicherheiten geschaffen. Gleichzeitig belasteten Klimawandel, digitale Transformation, Wohnungsnot und eine alternde Infrastruktur das gesellschaftliche Vertrauen. „Unsicherheit stört das gesellschaftliche Miteinander“, sagte die Kirchenpräsidentin.

An die Kirchen richete sie den Appell, dieser Entwicklung mit einer klaren Haltung zu begegnen. Sie sagte: „Umso wichtiger ist es für uns als Kirche, fröhlich und stark von Gottes Liebe zu allen Menschen zu erzählen.“ Hoffnung sei eine gute Schutzmacht solche „moralische Vergiftung auch unter uns wirksam werden kann“.

Das Moderamen hat in einem schriftlichen Bericht seine Arbeit zusammengefasst.

Der schriftliche Bericht als pdf


Helge Johr bleibt Vizepräsident für weitere zwölf Jahre

Die Gesamtsynode hat den juristischen Vizepräsidenten Helge Johr in seinem Amt bestätigt. Der 56-jährige Jurist erhielt bei seiner erneuten Kandidatur alle Stimmen der Synodenmitglieder und wurde damit für weitere zwölf Jahre gewählt.

Helge Johr war im November 2014 erstmals von der Gesamtsynode in dieses Amt gewählt worden und trat es im Januar 2015 an. Präses Harm Adam begründete die vorzeitige Wiederwahl von Johr mit einer hilfreichen Planungssicherheit und Kontinuität angesichts der bestehenden Herausforderungen. Eigentlich wäre eine Wahl erst Ende 2026 notwendig gewesen. Adam sagte: „Wir wollen eine bewährte Führungskraft an uns binden.“

Johr kündigte an, im Falle seiner Wiederwahl weiter daran zu arbeiten, wie die Reformierte Kirche es schaffen könne, „Kirche vor Ort zu sein“. Für ihn habe die Reformierte Kirche von ihrem Ursprung her eine hohe Innovationskraft. Der Vizepräsident ist nach der Verfassung der Evangelisch-reformierten Kirche Vertreter der Kirchenpräsidentin und leitender Jurist der Kirche. Vor seiner Zeit als Vizepräsident verantwortete er den Arbeitsbereich Diakoniepolitik beim Diakonischen Werk der evangelischen Kirchen in Niedersachsen.

Helge Johr (Mitte) zusammen mit Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden (links) und Präses Harm Adam (rechts) nach seiner Wiederwahl.

Die Gesamtsynode wählte anschließen Saskia Gosseling aus dem Rheiderland in den Rechtsausschuss und Johannes de Vries, Pastor in Schüttorf und Mitglied des Moderamens der Gesamtsynode, als Delegierten der Evangelisch-reformierten Kirche in die Synode der EKD.


Ämtergesetz als Rahmen für mulitprofessionelle Teams

Vizepräsident Helge Johr hat der Synode Überlegungen für ein sogenanntes Ämtergesetz vorgestellt. Johr erläuterte, dass jetzt schon 80 Prozent der Kirchengemeinden keinen Anspruch auf eine volle Pfarrstelle haben. Notwendig sei aber, dass ehrenamtliches Engagement hauptberufliche Begleitung bekomme. Die Synode habe bereits mit dem begonnenen Strukturprozess die Grundlagen dafür gelegt, dass Kirchengemeinden stärker kooperieren oder sich leichter zusammenschließen können. In diesen größeren Einheiten sei dann auch die Beschäftigung von hauptberuflichen Kräften möglich. Mit dem Ämtergesetz werde nun ein Rahmen formuliert, wie multiprofessionelle Teams in zukünftig größeren Einheiten zum Einsatz kommen können.

Dieses Ämtergesetzt fußt nach Angaben von Johr auf der Ämterlehre, die durch den Reformator Johannes Calvin in Genf geschaffen worden war. In heutige Situation übersetzt bedeute dies, dass Hauptamtliche mit unterschiedlichen Qualifikationen die Ehrenamtlichen stärkten.

Johr kündigte an, dass der Vorschlag des Ämtergesetzes der nächsten Zeit in Regionalkonferenzen debattiert werden solle. Anschließend diskutierten die Synodenmitglieder in Arbeitsgruppen. Der Synodale Werner Keil regte in der anschließenden Diskussion im Plenum an, dem Diskussionsprozess mehr Zeit einzuräumen, um alle Kirchengemeinden mitzunehmen.

Die Gesamtsynode beschloss am Freitagvormittag, dass das Moderamen die Planung für ein Ämtergesetz fortführen und einen Beratungsprozess darüber beginnen soll. Im Frühjahr 2026 solle über den Zwischenstand berichtet werden, um im Herbst das Gesetz zu beschließen.