Frühjahrssynode 2026 - Zweiter Tag


Die Synode tagt in der Johannes a Lasco Bibliothek (Fotos: Ulf Preuß)

Präses Harm Adam hat nach einer Andacht von Frauke Schaefer aus dem Synodalverband Emsland-Osnabrück den zweiten Synodentag eröffnet.


Synode startet Initiative für Demokratie
Alle Synodalen stehen hinter dem Beschluss.

Die Evangelisch-reformierte Kirche sieht den demokratischen Rechtsstaat durch extremistische und völkische Ideologien bedroht. Ihre Synode ruft zu Minderheitenschutz, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt auf.

Die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche hat vor einer wachsenden Gefährdung des demokratischen Rechtsstaats durch extremistische und völkische Ideologien gewarnt. Diese spiegele sich in Wahlerfolgen extremistischer Parteien und Wählergruppen wie der AfD wider, heißt es in einer am Freitag einstimmig verabschiedeten Erklärung der in Emden tagenden Synode. Die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen 2026 und 2027 seien die nächsten „Prüfstände für die Demokratie“.

Die Erklärung ist zugleich der Auftakt zu einer Demokratie-Initiative der reformierten Kirche. Bereits im November 2023 hatte die Synode ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt. Das neue Papier sei eine „Selbstvergewisserung und Standortbestimmung der reformierten Haltung“, erläuterte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden. In den Gemeinden soll das Thema weiterbearbeitet und beispielsweise über die Sozialen Medien mit persönlichen Stellungnahmen verbreitet werden.

Einsatz für Menschenwürde ist Auftrag der Kirche
In ihrem Beschluss betonten die Delegierten: „In Jesus Christus haben alle Unterschiede der Menschen ihre trennende Bedeutung verloren.“ Daraus folge, dass alle Menschen gleichwertig seien - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, möglicher Beeinträchtigung oder Glauben. Es sei Auftrag der Kirche, für die Menschenwürde einzutreten.

Geschichte der Kirche geprägt von Flucht und Versagen
Das Kirchenparlament bekannte sich zu einem Demokratieverständnis, das die Rechte von Minderheiten schützt. Die Geschichte der reformierten Kirche sei von Flucht, Migration und Minderheitenerfahrungen, aber auch von Versagen während der NS-Zeit geprägt. Pointierte und radikale Auffassungen könnten zwar Teil des gesellschaftlichen Diskurses sein, „aber dabei gibt es Grenzen“, hieß es. Mit dem christlichen Selbstverständnis sei es „nicht vereinbar, anderen Menschen oder Menschengruppen die Gleichheit und Würde abzusprechen“.

(Bericht des Evangelischen Pressedienstes, epd)

Wortlaut der Synodenerklärung zu Demokratie auf der Themenseite "Demokratie"


Präventionskonzepte erst in der Hälfte der Gemeinden

Die Erstellung von Präventionskonzepten gegen sexualisierte Gewalt kommt in der Evangelisch-reformierten Kirche nur schleppend voran. „Wir sind noch lange nicht dort, wo wir zu diesem Zeitpunkt stehen wollten“, kritisierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden vor der bis zum Freitag in Emden tagenden Synode ihrer Kirche.

Bisher gibt es erst in 60 der bundesweit 135 reformierten Kirchengemeinden ein Präventionskonzept, berichtete Manuela Feldmann von der Fachstelle sexualisierte Gewalt. Laut einem Synodenbeschluss hätte bereits Ende 2025 in allen Gemeinden und Einrichtungen ein solches Konzept vorliegen müssen. Insgesamt hätten sich bereits 104 Gemeinden mit dem Thema beschäftigt. In fünf der neun Synodalverbände seien Präventionsbeauftragte benannt worden.

Feldmann warb für entsprechende Schulungen in den Gemeinden. Bislang seien mehr als 1.300 Personen geschult und 14 Multiplikatorinnen ausgebildet worden.

(Bericht des Evangelischen Pressedienstes, epd)


Klimaschutz bleibt Herausforderung

Der Klimaschutzmanager der Evangelisch-reformierten Kirche, Roland Morfeld, sieht Fortschritte beim Klimaschutz, fordert aber weitere Anstrengungen. In seinem Bericht für die Gesamtsynode in Emden schreibt er, dass der CO2-Ausstoß kirchlicher Gebäude seit 2020 um rund 1.000 Tonnen beziehungsweise 20 Prozent gesunken sei. Die durchschnittliche jährliche Einsparung von vier Prozent liege jedoch noch nicht auf dem notwendigen Zielpfad. „Unsere bisherigen Anstrengungen reichen noch nicht aus und müssen intensiviert werden“, so Morfeld.

Besonders positiv bewertete er das Energiemonitoring der Landeskirche, das laut EKD-Bericht nur vier Landeskirchen flächendeckend umgesetzt hätten. Auch das Photovoltaik-Förderprogramm gelte bundesweit als „Best-Practice-Beispiel“. Zugleich gebe es weiterhin hohen Energieverbrauch durch zu stark beheizte Kirchen und Defizite beim Lüften. Morfeld merkt zudem an, dass das landeskirchliches Förderprogramm für körpernahe Heizsysteme in Kirchenräumen im Berichtszeitraum ungenutzt blieb.

Als nächste Schritte kündigte Morfeld zusätzliche Unterstützung für Gemeinden durch eine neue Stelle zur Klimaschutzkoordination an. Zudem sollen bis Mitte 2027 Konzepte entwickelt werden, wie kirchliche Flächen stärker zum Klimaschutz und zur Förderung der Biodiversität beitragen können.


Die nächste Gesamtsynode tagt am 19. und 20. November 2026 in Emden.