Das Projekt "Schepken Christi"

"Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation - 500 Jahre Migration" ist das Motto für die Evangelisch-reformierte Kirche im Jahr 2017.

  • Im Sommer 2017 war die gleichnamige Videoausstellung an Bord des "Schepken Christi" im Emder Hafen geöffnet. Vom 29. November bis zum 30. Dezember ist sie im Ratskeller in Leer zu sehen.

Öffnungszeiten in Leer

Dienstag bis Samstag von 13.00 bis 18.00 Uhr
Sonntag von 13.00 bis 19.00 Uhr
(Heiligabend, 1. und 2. Weihnachtstag geschlossen)

Ausstellungseröffnung am Dienstag, 28. November um 18.00 Uhr

Ort: Ratskeller des Rathauses Leer, Rathausstraße 1, 26789 Leer

Eintritt frei


Die Ausstellung

Zeitzeugen berichten auf dem Schepken Christi

Wer an die Reformation erinnert, muss auch an die Migration erinnern, sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher. zur Eröffnung der Ausstellung im Juni. Auf dem "Schepken Christi" erzählen Zeitzeugen aus acht Jahrzehnten in Videos von ihrer Flucht. Sie stehen für weltweit 65 Millionen Flüchtlinge.

Mit der Videoausstellung an Bord des historischen Segelschiffes erinnert die Evangelisch-reformierte Kirche im Emder Hafen an Flüchtlinge weltweit. Die Schau mit Zeitzeugen-Interviews über Fluchtgeschichten aus den vergangenen acht Jahrzehnten mache deutlich, "dass Flüchtlinge schon immer unter uns gelebt haben und die Integration geflüchteter Menschen zu unserer Kultur gehört", sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher bei der Eröffnung auf der Seetjalk "Anne".

Das Schiff mit dem Projektnamen "Schepken Christi" liegt bis Ende August im Emder Ratsdelft. In achtminütigen Filmen berichten Menschen von ihrer persönlichen Fluchtgeschichte. Darunter sind Vertriebene aus Schlesien, Flüchtlinge, die 1956 nach dem Aufstand ihre Heimat Ungarn verlassen mussten, Boatpeople aus Vietnam, verfolgte Bosnier, Russlanddeutsche, eine Jesidin und ein Syrer, der über das Mittelmeer geflohen ist.

Unter den Monitoren sind in Glasvitrinen persönliche Erinnerungsstücke der Geflüchteten zu sehen. Etwa Musikkassetten und ein Poesiealbum, die eine jugendliche Bosnierin nicht zurücklassen wollte oder ein Krug aus Schlesien, in dem Flüchtlinge Schmalz transportierten. Die Gebetskette seiner Mutter ist das einzige Erinnerungsstück des Syrers Muaffak. Eine andere Frau schleppte als Spätaussiedlerin zwei schwere gusseiserne Waffel-Eisen aus Kasachstan nach Deutschland.


Das Motiv des "Schepken Christi" geht zurück auf die Reformationsgeschichte Emdens, später wurde es im Lauf der Jahrhunderte zum Sinnbild der Evangelisch-reformierten Kirche und zu ihrem Siegel. 1655 stifteten Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden, die im Zuge der Reformationszeit Zuflucht in Emden fanden, der Großen Kirche in Emden das Relief mit dem Schepken als Dank für die Aufnahme in der Stadt. Noch heute ist es am Ostportal der Johannes a Lasco Bibliothek zu sehen.

Das Relief trägt die Inschrift „Godts Kerck vervolgt Verdreven. Heft Godt hyr Trost gegeven” (Gottes Kirche verfolgt, vetrieben. Gott hat hier Trost gegeben). Das Schepken Christi steht für Flucht und Aufnahme, für Vertreibung und Integration - für die Geschichte der Evangelisch-reformierten Kirche.


Die Seetjalk Anne

Für die Feiern des Reformationsjubiläums wurde die Seetjalk Anne zum "Schepken Christi". Die Evangelisch-reformierte Kirche und die Stadt Emden charterten den Nachbau eines historischen Segelschiffes für das Jahr 2017 beim Verein für historischen Schiffbau in Ostfriesland.

Bereits beim Stationweg zum Reformationsjubiläum lag die Anne als "Schepken Christi" im Ratsdelft am Hafentor, direkt neben dem Geschichtenmobil - als Symbol für das Motto "Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation - 500 Jahre Migration". Vom 23. Juni bis zum 27. August wurde sue dann zum Ausstellungsschiff.

Das Schiff schlägt eine Brücker von der Flucht und Ankunft von Menschen zur Zeit der Reformation zur aktuellen Flucht und Vertreibung, die Europa heute in Atem hält. „Wir haben das Projekt auch ‚Schepken Christi‘ genannt, um zu zeigen wie eng wir als Kirche uns mit der Migration von vor 500 Jahren und der aktuellen Migration verbunden fühlen", betonte Kirchenpräsident Martin Heimbucher beim Stationenweg in Emden.