"Politischer Reformationstag" wirbt für Verständigung

Begrüßung zum Politischen Reformationstag (alle Fotos: Britta Brüling)

Die niedersächsische Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD) hat beim „Politischen Reformationstag“ der Evangelisch-reformierten Kirche vor einem wachsenden Desinteresse der Menschen an gesellschaftlich relevanten Fragen gewarnt. „Gleichgültigkeit ist eine große Gefahr für die Demokratie“, sagte sie am Montagabend (27. Oktober) in der Großen Kirche in Leer. Eine weitere Gefahr sei, dass immer mehr Menschen in Meinungsblasen lebten, in denen sie sich nur noch selbst bestätigten: „Wir müssen wieder Demokratie lehren und lernen, andere Meinungen aushalten. Man muss sich respektieren und auch nach einem Streit noch miteinander ein Bier trinken können.“

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hatte unter dem Motto „Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. „Ohne Widerstände gegen Kaiser und Reich vor 500 Jahren gäbe es heute keine evangelische Kirche“, betonte Bei der Wieden. In der Runde sollte erörtert werden, wie weit heute Widerstand gehen darf. Zu den Gästen zählten neben Naber auch der Osnabrücker Polizeipräsident Friedo de Vries, die Klimaaktivistin Sonja Manderbach, der Abiturient Lennart Seeber (Grüne) und der Landwirt Klaus Borde.

In seiner Begrüßung betonte der Präses der evangelisch-reformierten Gesamtsynode, Harm Adam, dass sich die Reformierte Kirche einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft verpflichtet fühle. Als Teil der Aktion #VerständigungsOrte solle der Politische Reformationstag in diesem Jahr „helfen, verhärtete Fronten zu lösen, den Blick zu weiten – und sich auch einmal in die Schuhe anderer hineinzudenken.“

Die Gesprächsrunde warb für Demokratie, gegenseitigen Respekt und die Kunst des Kompromisses. Die Klimaaktivistin Manderbach warnte jedoch vor zu viel Einmütigkeit: „Es ist wichtig, dass wir zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden.“ Es gebe eine Faktenlage, die durch rechtsgerichtete Desinformationskampagnen infrage gestellt werde. „Da können wir keinen Kompromiss finden.“ Über Themen wie Klimaschutz oder den Rechtsruck in der Gesellschaft könne nicht einfach abgestimmt werden.


Das Duo JOCO gestaltete den musikalischen Rahmen des Abends: Links Josepha Carl, rechte Cosima Carl.


Klaus Borde vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland (LHV) berichtete, wie weit konstruktiver Dialog führen könne. So träfen sich heute Menschen aus der Landwirtschaft und Naturschützer vom BUND in respektvoller Runde – etwas, das noch vor einiger Zeit undenkbar gewesen sei. Polizeipräsident Friedo de Vries stellte heraus, dass es für Polizistinnen und Polizisten zunehmend herausfordernd geworden sei, die Demokratie zu schützen. Dabei gelte es für Beamtinnen und Beamte, im Einsatz Neutralität zu wahren.

Lennard Seeber (Grüne) wünschte sich von den Kirchen mehr Veranstaltungsformate wie den „Politischen Reformationstag“. In diesem Jahr fand er in Leer statt, weil die Gemeinde dort 500 Jahre Reformation feiert.

30. Oktober 2025
Ulf Preuß, Pressesprecher/epd

 

Moderatorin Carola Schede (jeweils rechts) im Gespräch mit Landtagspräsidentin Hanna Naber und Lennard Seeber sowie Polizeipräsident Friedo de Vries, Sonja Manderbach und Klaus Borde.

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