Reformationstag bleibt umstritten

Podiumsdiskussion über neuen Feiertag in der evangelisch-reformierten Gemeinde Hannover

In der Debatte um einen neuen niedersächsischen Feiertag bleibt der Reformationstag (31. Oktober) unter Vertretern verschiedener Religionen und Weltanschauungen umstritten. "Ich habe emotionale Probleme mit diesem geplanten Feiertag", sagte am Sonntag der hannoversche Rabbiner Gabor Lengyel. Martin Luther (1483-1546) habe zur Verbrennung von Synagogen und Rabbinern aufgerufen. Die Nazis hätten die Worte des Reformators schließlich in die Tat umgesetzt. Lengyel, der als Kind im Budapester Ghetto die Shoah überlebte, sprach bei einer Podiumsdiskussion der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Hannover.

Alle Bürger sollten an der Entscheidung zum neuen gesetzlichen Feiertag beteiligt sein, sagte der Rabbiner. Er selbst plädiere für den 23. Mai, der Tag an dem 1949 das Grundgesetz erlassen wurde. Aus einem Gespräch mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) Ende Januar entnehme er jedoch, dass bereits eine politische Entscheidung zugunsten des Reformationstages gefallen sei, sagte Lengyel. "Der Zug ist wohl abgefahren."

Guido Wiesner, Präsident des Humanistischen Verbandes Niedersachsen, sagte, der neue Feiertag müsse für alle Bürger des Bundeslandes gleichermaßen bedeutend sein und dürfe nicht spalten. Rund ein Drittel der Bevölkerung gehöre keiner Religion an. Die Landesregierung habe diese große Bevölkerungsgruppe bei der Wahl des neuen Feiertages bislang aber völlig übergangen, kritisierte er.

Wiesner schlug erneut den internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember vor. Der 31. Oktober sei wegen der unterschiedlichen Interpretationen als Luther-Tag oder als allgemeiner Reformationsgedenktag ungeeignet.

Der evangelische Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann hingegen warb für den 31. Oktober als neuem Feiertag. "Ich finde, das ist eine richtig gute Idee." Der Tag dürfe nicht auf Luther beschränkt werden. Alles auf den Reformator und dessen Antijudaismus zuzuspitzen sei in der Sache unangemessen. Es gehe um das, was vor 500 Jahren von der gesamten Reformationsbewegung angestoßen wurde und nicht um eine "Luther-Heldenfeier".

Die jüdische Kritik an dem Vorschlag könne er jedoch absolut nachvollziehen, sagte Heinemann. Es gebe auch "sehr gute Argumente" für die anderen Feiertagsvorschläge.

12. Februar 2018
Evangelischer Pressedienst (epd)

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