Reformationstag als Tag des Innehaltens und Nachdenkens

Kirchenpräsident Heimbucher bei Anhörung im Landtag

Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat sich erneut für den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag stark gemacht. Er sagte bei einer Anhörung vor dem Innenausschuss des niedersächsischen Landtags am Donnerstag, 31. Mai, der Reformationstag stehe auch für eine grundlegende Notwendigkeit für Reformen.

Die Landtagsfraktionen hatten zu der Anhörung eingeladen. Hintergrund ist der Gesetzentwurf der Landesregierung, der die Einführung des Reformationstags am 31. Oktober als allgemeinen Feiertag vorsieht. Im Juni soll der Landtag darüber entscheiden. Kritik an diesen Plänen gab es von Beginn an von Seiten der jüdischen Verbände und der katholischen Kirche.

„Jede Institution, sei sie kirchlich, sei sie weltlich, braucht Reform“, betonte Heimbucher. Der Reformationstag als ein Tag mit kirchlichen Wurzeln sei hervorragend anschlussfähig in alle gesellschaftlichen Bereiche. Er mache deutlich, dass alle Institutionen für den Menschen da seien und nicht umgekehrt. „Die Reformation hat dieses Land und unsere Kultur in einer Art und Weise so geprägt, dass der Tag für alle ein Tag des Innehaltens und Nachdenkens sein kann.“

Heimbucher hob hervor, dass entscheidende Errungenschaften Europas von den Impulsen zuerst der Reformation und dann der Aufklärung geprägt seien. „Wir haben heute dafür zu kämpfen, dass die wesentlichen Errungenschaften dieser Geschichte nicht verächtlich gemacht werden.“ Mit dem Erbe der Reformation stünden Kirche und Staat auch zusammen für die Wertegemeinschaft Europa.

Heimbucher sagte, dass er die Ablehnung eines allgemeinen Feiertages am 31. Oktober von jüdischer Seite respektiere. Gerade im Jahr des Reformationsjubiläums habe sich aber die evangelische Kirche deutlich von der Judenfeindschaft der Reformatoren distanziert und ein Bekenntnis der Schuld ausgesprochen. Klar sei auch: Gegenüber jeder Form des Antisemitismus gebe es keinerlei Toleranz. Für den Fall, dass der Reformationstag Feiertag werde, kündigte Heimbucher eine Veranstaltung zum Thema „Judenfeindschaft in der evangelischen Kirche“ an, bei der auch jüdische Vertreter zu Wort kämen.

An die katholische Kirche gerichtet erinnerte Heimbucher an die „herzliche ökumenische Verbundenheit“, die im vergangenen Jahr deutlich geworden wäre. Das Jahr des Reformationsjubiläums habe eine seit vielen Jahren gewachsene Vertrautheit zwischen den Kirchen ausgedrückt. Er hoffe, dass in Kürze am 31. Oktober in evangelischen Gemeinden auch einmal katholische Geistliche die Predigt halten.

31. Mai 2018
Ulf Preuß, Pressesprecher


Das Redemanuskript als pdf

Videstatement zum Reformationstag als Feiertag vom 20.1.2018


Bild oben: Landtagsgebäude in Hannover (Foto: Focke-Strangmann / Landtag Niedersachsen)

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