Großes Forschungsprojekt für Johannes a Lasco Bibliothek
Die Johannes a Lasco Bibliothek hat sich zusammen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen erfolgreich für ein renommiertes Forschungsprogramm der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften beworben. Das Projekt „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“, das jetzt bewilligt wurde, hat eine Laufzeit von 21 Jahren. Es entsteht in Zusammenarbeit der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz mit Arbeitsstellen in Emden und Gießen. An der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen wird an der digitalen Umsetzung gearbeitet, in Emden an der historisch-kritischen editorischen Aufarbeitung des Projekts. Insgesamt umfasst das Vorhaben vier Arbeitsstellen, von denen drei in Emden angesiedelt werden.
Der wissenschaftliche Vorstand der Bibliothek, Professor Kęstutis Daugirdas, zeigte sich sehr erfreut, dass eine höchst anspruchsvolle, mehrjährige Antragstellung zum Erfolg geführt hat. „Wir sind sehr stolz, dass das gelungen ist. Die Aufnahme ins Akademienprogramm eröffnet ganz neue Perspektiven für die inhaltliche Arbeit wie auch für die Vertiefung der internationalen Vernetzung.“
Ausgangspunkt des Emder Vorhabens sind Briefe und unveröffentlichte Manuskripte – die sogenannten Inedita – führender Sozinianer in der Zeit zwischen 1550 und 1750. Der Sozinianismus, der in dem Projekt digital aufgearbeitet werden soll, war eine transnationale religiöse Bewegung des 16. bis 18. Jahrhunderts in Europa, die Toleranz, kritische Reflexion und wissenschaftliche Vernetzung in den Mittelpunkt stellte.
Andreas Kuczera, Professor in Gießen und für den digitalen Anteil des Projektes zuständig, sieht nun gesicherte Rahmenbedingungen für ein Forschungsvorhaben, das mittels einer „revolutionären Editionstechnik“ Maßstäbe im wissenschaftlichen Arbeiten setzen will. „Es ist einfach toll, dass das gelungen ist. Wir freuen uns auf das Projekt, zumal wir bereits seit acht Jahren erfolgreich mit der Johannes a Lasco Bibliothek zusammenarbeiten.“ Diese Zusammenarbeit bezieht sich auf das Vorgänger-Projekt „Die sozinianischen Briefwechsel. Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz“, das bereits seit 2018 an der Bibliothek beheimatet ist und über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde.
Die sozinianischen Briefwechsel und Inedita enthalten Themen ganz unterschiedlicher Disziplinen: Theologie, Philosophie, Philologie, Astronomie, Politik. Die Korrespondenzen und Manuskripte verbreiteten sich rasch und wurden zum maßgeblichen Teil jener Prozesse, die in die Aufklärung mündeten. Das neue Forschungsvorhaben ist nun darauf angelegt, das bislang kaum erforschte sozinianische Schrifttum in graphbasierte Form zu überführen, zu regestieren und zu kommentieren. Somit wird das in verschiedenen Bibliotheken Europas lagerndes Material nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch mittels Verschlagwortung und Verbindung mit zentralen Datenrepositorien (GND, ESA, NASA) fachgerecht aufbereitet.
„Mit dem Forschungsvorhaben wird erstmals ein Einblick in richtungsweisende Entwicklungen möglich, die in Europa stattgefunden und es als Glaubens-, Wissenschafts- und Kommunikationsraum wesentlich mitgestaltet haben“, resümiert Daugirdas. Das Projekt diene der´Grundlagenforschung, um die historische Entwicklung pluralistischen Denkens in Europa nachzuvollziehen und die transnationalen Vernetzungen von Gelehrten und Naturforschern sichtbar zu machen.
8. Januar 2026
Presseinformation der Johannes a Lasco Bibliothek
Bild oben: Kestutis Daugirdas, wissenschaftlicher Vorstand der Bibliothek, und der wissenschaftlichen Mitarbeiter Michael Weichenhan mit einem Werk des Sozinianers Stanislaw Lubieniecki, das "Theatrum Cometicum" von 1667/68. Im Hintergrund zeigen die roten Punkte die europaweite Verbreitung der sozinianischen Briefwechsel.

