Drei Jahre Krieg sind zu viel
Der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arends, hat vor kurzem die Reformierte Kirche in Ungarn besucht. Dabei ist er auch in einer ungarisch-sprachigen, reformierte Gemeinden in Transkarpatien (West-Ukraine) gewesen. Zur Reformierten Kirche in Ungarn mit ihren ukrainischen Gemeinden unterhält auch die Evangelisch-reformierte eine Partnerschaft. Dietmar Arends berichtet von Perspektivlosigkeit und Ermüdung, die er im Westen der Ukraine erfuhr.
Gleich beim Grenzübertritt begegneten Arends die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen: „Auffallend an der Grenze sind die vielen Hinweise auf die Tätigkeit von USAID. Die Hilfsorganisation hat humanitäre Hilfe, Entwicklungshilfe und Budgethilfe in der Ukraine in großem Umfang geleistet. Nach der Entscheidung Trumps, die Arbeit (vorerst) einzustellen, fällt diese Hilfe wahrscheinlich von einem Tag auf den anderen weg. Dies ist für viele Menschen in der Ukraine eine Katastrophe.“
Der Landessuperintendent besuchte mit Bischof Zan Fabian in der Ukraine das Dorf Wary: „Er zeigte mir die große Zahl leerstehender Häuser. Von ehemals 2.300 Bewohnerinnen und Bewohnern sind noch 800 da. Die restlichen haben zumeist das Land verlassen. Diese Entwicklung betrifft die gesamte Region, die ungarischen Dörfer aber besonders. Als ungarische Staatsbürger können die Menschen ohne weiteres nach Ungarn gehen.“
Die Kirchengemeinde vor Ort unterhält zwei Kindergärten, einen kleinen für Kinder aus Roma-Familien und einen größeren für die Kinder der Gemeinde. Dieser war einmal für 80 Kinder ausgelegt, ist zurzeit jedoch nur zur Hälfte belegt: „Viele Familien leben in großer Armut; von daher sind die regelmäßigen Mahlzeiten, die die Kinder in Kindergarten und Schule erhalten, von großer Bedeutung. In der Kindertagesstätte für Kinder aus Roma-Familien wird zudem eine Hausaufgabenhilfe am Nachmittag angeboten, verbunden mit einer warmen Mahlzeit am Mittag.“
Die materielle Versorgung der Menschen durch die Diakonie in der Region spiele eine große Rolle. Die Bäckerei in Berehowe ist weiterhin in Betrieb. Hier werden pro Jahr etwa 60.000 Brote gebacken und an Bedürftige verteilt. Mehrere Suppenküchen versorgen die Menschen mit warmen Mahlzeiten: „Diese Arbeit hat sich durch den Krieg deutlich verteuert. Da Arbeitskräfte fehlen, können nicht mehr ausreichend Lebensmittel und Getreide für die Bäckerei selbst angebaut werden. Es müssen Lebensmittel hinzugekauft werden.“ Dennoch werden auch regelmäßig Hilfstransporte in frontnahe Regionen im Osten organisiert. Die Hilfsgüter dafür kommen unter anderem aus Deutschland. Dietmar Arends: „Insgesamt hat sich die Stimmung der Menschen gegenüber meinem Besuch 2022 deutlich verschlechtert, es ist oft so etwas wie eine große Traurigkeit wahrzunehmen. ‚Drei Jahre Krieg ist zu viel‘, bringen die Menschen immer wieder zum Ausdruck.“
Neben den aktuellen Herausforderungen mache sich für die reformierte Kirche eine gewisse Perspektivlosigkeit breit: „Dass all die, die das Land verlassen haben, nach Kriegsende einmal zurückkehren werden, daran glaubt niemand. Für die jungen Menschen wird es dann kaum eine Perspektive geben.“ Es sei bewundernswert, wie trotz all dem diese Kirche versuche, den Menschen vor Ort einen Halt zu bieten, für sie da zu sein und so vielfältige praktische Hilfe und Unterstützung zu leisten.
im Februar 2025
Pressemitteilung der Lippischen Landeskirche
Ebenso wie die Lippische Landeskirche unterstützt auch die Evangelisch-reformierten Kirche die diakonische Arbeit für die von Krieg und Armut betroffenen Menschen in der Ukraine - auch mit der Spendenaktion Hoffnung für Osteuropa.
Spendenkonto: Diakonische Werk der Evangelisch-reformierten Kirche:
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Stichwort: Hoffnung für Osteuropa
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