Unsere Zukunft liegt im Nahen Osten

Reformierte Gemeinde Leer feiert Gottesdienst mit Gästen aus dem Libanon und Syrien

„Wir wünschen uns, dass die Menschen in Syrien bleiben“, sagte der Generalsekretär der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon, Joseph Kassab am Sonntag in Leer. Er informierte nach dem Sonntagsgottesdienst in der Großen Kirche im Gemeindehaus über die Situation im Nahen Osten nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien. Kassab betonte, dass seine Kirche in den kommenden Jahren nach dem Krieg die Aufgabe habe, zur Versöhnung in Syrien beizutragen. Das sei eine gewaltige und langfristige Herausforderung. „Wir wollen als Christen im Nahen Osten bleiben und dafür brauchen wir jeden Menschen“.

Kassab ist zurzeit mit seiner Frau Najla, sie ist die Leiterin der Bildungsabteilung der Kirche, auf einer Besuchsreise in Deutschland. Zu ihrer Kirche gehören 43 Kirchengemeinden mit 12.000 Mitgliedern in den beiden Ländern. Kassab berichtete über das Engagement seiner Kirche im Libanon für syrische Flüchtlinge. Davon lebten inzwischen etwa 1.6 Millionen in Flüchtlingscamps, bei vier Millionen Einwohnern des Landes „Und meist leben sie dort unter erbärmlichen Zuständen, ganz anders als Sie es hier in Deutschland von Ihren Unterkünften kennen“, so Kassab. Für Kinder aus vier dieser Flüchtlingslager hat die syrisch-libanesische Kirche Schulen errichtet. Inzwischen erhalten dort 250 Flüchtlingskinder Grundlagenunterricht in Arabisch, Mathematik und Naturwissenschaften und bekommen täglich eine Mahlzeit. Eine weitere Schule solle im September eröffnet werden.

Kassab berichtet auch, dass die Lage für Christen in manchen Regionen Syriens immer schwieriger werde. So hätten Kirchen aufgeben werden müssen, weil die Christen aus ihren Wohnorten vertrieben worden seien. Najla Kassab hob aber hervor, dass der Krieg den Zusammenhalt in den Gemeinden stärke. „Wir sehen unsere Zukunft in Syrien und im Libanon“, betonte die Theologin. „Wir sehen und spenden Hoffnung, gestärkt durch unseren Glauben“. Im Gottesdienst zuvor hatte Najla Kassab ein Ende der Gewalt im Nahen Osten und einen gerechten Frieden für alle Menschen gefordert. Der Friede Christi ermutige dazu, „die Stimme zu erheben und zu handeln - gegen jede ungerechte Praxis“, sagte sie in ihrer Predigt. Es sei die Aufgabe der Kirche, gegen alle Formen des Missbrauchs anzugehen, die Menschen in dieser Region erleben, egal „ob sie Juden, Christen oder Muslime seien.“

Spontan änderte die Evangelisch-reformierte Gemeinde Leer ihre Kollekte und sammelte nach dem Gottesdienst für die syrisch-libanesische Kirche. Die Gottesdienstbesucher zeigten sich tief beeindruckt von der Berichten und dem Abschlusswort Najla Kassabs: „Wir haben keine Probleme mit Muslimen, wir haben Probleme mit radikalen Muslimen.“

29. August 2016
Ulf Preuß, Pressesprecher

 

Die Predigt zum Nachlesen als pdf


Foto oben: Najla und Joseph Kassab berichteten nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus eindrücklich über die Situation von Christen im Nahen Osten. Sabine Dreßler, Ökumenereferentin beim Reformierten Bund (Hannover) übersetzte.
Unten: Die Gäste aus dem Libanon: Najla und Joseph Kassab (vorn). Pastor Eberhard Hündling (Kirchengemeinde Leer), Pastorin Sabine Dreßler (Reformierter Bund) und Ökumenepastort der Landeskirche, Thomas Fender.



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