Celle ist Reformationsstadt Europas

Religiöse Toleranz kam unter Herzog Georg Wilhelm und seiner Frau Eléonore d’Olbreuse

Celle ist als dritte Stadt in Niedersachsen offiziell zur "Reformationsstadt Europas" ernannt worden. Die Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) würdigt mit dem Titel Städte, die für die Ausbreitung der von Martin Luther (1483-1546) vor 500 Jahren angestoßenen Reformation eine Rolle gespielt haben. Von Celle aus seien bei der Einführung der Reformation Impulse nach ganz Norddeutschland und Nordeuropa ausgegangen, sagte der Oberbürgermeister der Stadt, Dirk-Ulrich Mende (SPD), am Mittwoch.

„Die frühe Einführung der Reformation im Fürstentum Lüneburg war für den weiteren Verlauf der Reformation von großer reichspolitischer Bedeutung“, schreibt GEKE-Generalsekretär Bischof Michael Bünker in seiner Würdigung. „Die Residenzstadt Celle wird deshalb ohne Frage eine Reformationsstadt europäischen Ranges genannt werden können.“ Laut Begründung der GEKE war Celle die erste Stadt außerhalb Wittenbergs, die sich vollständig der Reformation anschloss.

Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg sowie seine Brüder Otto zu Braunschweig-Lüneburg-Harburg und Franz von Gifhorn studierten im 16. Jahrhundert in Wittenberg und ließen sich von der Theologie Luthers begeistern. Sie setzten die neue Bewegung auch in ihrer Heimat durch: in der Residenzstadt Celle bereits 1524, im Fürstentum Lüneburg 1527. Ernst, der später den Beinamen „der Bekenner“ erhielt, gehörte auch zu den Unterzeichnern der Reformationsschrift „Confessio Augustana“, die 1530 auf dem Reichstag in Augsburg dem deutschen Kaiser vorgelegt wurde.

Nach der Einführung der Reformation durften zunächst rund 150 Jahre lang nur noch evangelisch-lutherische Gottesdienste in Celle gefeiert werden. Erst unter Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1624-1705), der mit der reformierten Hugenottin Eléonore d’Olbreuse verheiratet war, kam es zu einer eingeschränkten religiösen Toleranz. Außerhalb der Celler Stadtmauern entstanden in den Vorstädten Gotteshäuser, in denen Französisch- und Deutsch-Reformierte sowie Katholiken unter Auflagen ihre Gottesdienste feiern konnten. Die Evangelisch-reformierte Kirche in Celle ist der einzige erhaltene hugenottische Kirchenbau in Nordwestdeutschland. Die Juden, deren Gottesdienste zunächst in einer Privatwohnung gefeiert wurden, bekamen erst 1737 im Fürstentum Lüneburg die Erlaubnis Synagogen zu bauen.

Am Pfingstsonntag findet auf der Stechbahn vor der Stadtkirche ein „Lutherfest – Ökumenischer Tag der Kirchen in Celle“ mit Gottesdienst statt, an dem sich auch die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde beteiligen wird. Die Celler Museen planen zusammen mit den Kirchen der Stadt ab Mai gemeinsam Ausstellungen zu verschiedenen Themen der Reformation.

Mit Celle gehören rund 80 Städte in 15 Ländern zum Netzwerk "Europäische Reformationsstädte", unter ihnen auch die beiden niedersächsischen Städte Emden und Wolfsburg sowie Bremen. Die Städte können damit diese Marke als Motto über ihre Veranstaltungen zum 500. Reformationsjubiläum 2017 setzen und so für sich werben. Der Titel bleibt über das Jubiläumsjahr hinaus gültig. (epd)

16. Februar 2017
Ulf Preuß, Pressesprecher

 

Bild oben: Residenzschloss in Celle

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