175 Jahre Norddeutsche Mission – Frauen stärken. Klima wandeln.

Frauen sind von den Folgen des Klimawandels stärker betroffen als Männer. Das war eine der Erkenntnisse des Workshops „Frauen stärken. Klima wandeln!", zu dem die Frauenarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche am 8. Juli in das Gemeindehaus Leer-Heisfelde eingeladen hatte. 30 Frauen waren der Einladung gefolgt. Anhand von Beispielen aus Tansania und Bolivien rückte Referentin Marion Rolle vom Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen den Blick der Klimaschutzdiskussion in die Perspektive von Frauen.

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Frauen stärken. Klima wandeln!

Globale Erwärmung

Der Klimawandel zählt zu den größten globalen Herausforderungen. Die Klimaforscher/innen sind sich einig, dass der Anstieg der globalen Temperatur größtenteils mit der Zunahme der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zusammenhängt, die durch menschliche Aktivitäten verursacht wurde. Die Verantwortung für die Erzeugung der Treibhausgase liegt vor allem in den industrialisierten Ländern. Für die Diskussion, wer künftig wie viele Treibhausgase ausstoßen darf und wer für die Unterstützung der vom Klimawandel betroffenen Länder verantwortlich ist, ist entsprechend auch ein Blick zurück entscheidend. Hinzu kommt, dass die Industrieländer weit größere finanzielle und technologische Möglichkeiten haben, in die Entwicklung und Verbreitung klimafreundlicher Technologien zu investieren, als es in armen Ländern der Fall ist.

 

Frauen stärken. Klima wandeln!

Auch in Bezug auf die Folgen des Klimawandels gibt es große regionale und gesellschaftliche Unterschiede. So sehen Studien besonders dramatische Auswirkungen für den afrikanischen und den asiatischen Kontinent und damit für Regionen, die kaum etwas zum Klimawandel beigetragen haben, aber ohnehin stark von Armut betroffen sind. Der Weltklimarat (IPCC) erwartet in den nächsten 15 Jahren eine Halbierung der landwirtschaftlichen Erträge in einigen Ländern Afrikas. Bei einem Temperaturanstieg von 2 bis 2,5 °C entstehen für die Ernährungssicherheit so große Risiken, dass zusätzlich 55 bis 550 Millionen Menschen unter Hunger leiden könnten. 70 % der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sind weiblich. Deswegen trifft der Klimawandel Frauen in besonderem Maße, zumal sie in vielen Ländern nach wie vor in ihren Handlungsmöglichkeiten durch gesellschaftliche Rollen und Grenzen eingeschränkt sind. Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich unmittelbar in den Lebensbereichen, für die Frauen zumeist die Verantwortung tragen: Sie kümmern sich in ihren Familien um die Ernährung, sie sind zuständig für die Gesundheitssicherung, für die Wasser- und Energieversorgung. Wenn Extremwetterlagen die Ernten zerstören und Wasserstellen aufgrund von Dürren versiegen, verschlechtert sich die Ernährungssituation der gesamten Familie. Es erhöht sich aber die Arbeitsbelastung insbesondere für Frauen und Mädchen. Dies geht zulasten ihrer Gesundheit und ihrer Zeit für Bildung oder die Beteiligung an politischen Prozessen. Zugleich engagieren sich Frauen weltweit für die Anpassung an den Klimawandel und den Klimaschutz. Sie pflanzen angepasstes Saatgut und experimentieren mit Kompost. Sie demonstrieren gegen Atomkraft und setzen sich für Wälder ein. Sie machen vor, wie wir anders, klimaschonender leben können. In nationalen oder internationalen Entscheidungsprozessen kommen Frauen dennoch selten vor. Doch wir brauchen das Engagement und die Ideen von allen Menschen, Männern wie Frauen, um dem Klimawandel begegnen und globale Gerechtigkeit erreichen zu können.

 

Klimagerechtigkeit!

Klimaschutz jetzt! Bereits jetzt leiden Menschen weltweit unter den Folgen des Klimawandels. Besonders betroffen sind dabei jene, die ohnehin schon in einer schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situation sind. Deshalb müssen wir alle gemeinsam – Männer und Frauen, Arme und Reiche, Alte und Junge, im Norden wie im Süden – sofort, ohne zu zögern, das Klima schützen und die Armut bekämpfen.

Unterstützung der Betroffenen! Die betroffenen Länder und Menschen müssen durch die Verursacher/innen umgehend und umfassend bei der Anpassung an den Klimawandel und der Sicherung ihres Überlebens unterstützt werden. Alle Maßnahmen müssen dabei gemeinsam mit den Betroffenen, unter Berücksichtigung

ihrer Kultur und Lebensweise, entwickelt werden.

Frauen stärken. Klima wandeln! Frauen und Männer sind vom Klimawandel unterschiedlich betroffen und sie haben unterschiedliche Ideen, wie das Klima geschützt und unser Überleben gesichert werden kann. Das Wissen und die Weisheit der Frauen müssen zu jeder Zeit berücksichtigt und einbezogen werden. Zugleich müssen alle Maßnahmen dem Abbau von Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern dienen. Ohne Geschlechtergerechtigkeit kann es keine Klimagerechtigkeit und keinen effektiven Klimaschutz geben!

Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) e. V.